Baumhaushotel Otterndorf

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Heidi und Jürgen Reip schrieb am 21. Oktober 2020
Heidi und Jürgen Reip: Baumhaus Otterndorf, 13.-16.10.2020 Von der Abendsonne zum Morgenrot Abendsonne im Südwesten. Ich spüre die Wärme und halte inne. Noch Mitte Oktober, okay, aber etwas stimmt da nicht zwischen Haus A- und B-Meise: Beim Blick in die tief stehende Sonne fällt mein eigener Schatten nach vorn! Seltsam. Blick zurück: Auf der Amsel-Terrasse sitzt entspannt ein Gast am Haus und wirft gar keinen Schatten. Aber daneben reckt sich des Rätsels Lösung. Das blanke Abgasrohr des Amselnests verschluckt die Wärme und wirft das Sonnenlicht zurück. Ein paar Stunden später machen wir es uns gemütlich. Auf der Rotkehlchen-Terrasse. Im Strandkorb. Mit einem guten Tropfen. „Abendstille überall“. Nordseeduft auch. Das Parkplatzlicht blenden wir aus. Bei gerade mal zehn Grad geschützt von Schafsfell, Jacken und Decken scheint es milde zu sein. Weit und breit kein weißer Sand, doch der Strandkorb tut seine Pflicht, er hüllt ein, bewahrt vor dem Wind. Das Rauschen der Blätter lässt er geschehen. Doppelschichtig fellgeschützt und winterhart sind auch die Nachbarbewohner auf der angrenzenden Weide: fünf zottige schottische Galloway-Rinder. Schon vor 2300 Jahren wusste der alte Livius ihr Fleisch zu schätzen. Jetzt sind sie wieder in Mode und wandern nebenan umher auf der Suche nach dem heute angesagten Schlafplatz. Laut und lange wird darüber debattiert. Auf schottisch. Das reizt zum Mitmachen. Und tatsächlich – der Halbtonner, der so aussieht wie ein Riesenschwein, antwortet sogar. Mehrfach. Bis der Rinder-Tenor ein Machtwort spricht und für heute sagt, wo es lang geht. Trotz dieser Nachbarn - Vorhang beiseite. Geschlafen wird in tiefer Neumondnacht in der Baumkrone. Mit Blick auf wogende Zweige und Blätter, auf die dazwischen leuchtenden Sterne oder auf die rot und weiß blinkenden Fahrwassertonnen der Elbe. Dazu die weißen Lichter an Bug und Brücke eines aufkommenden Frachters und - viel später - ein Hauch von Morgenrot im Nordosten und schließlich im ersten Morgenlicht die bunten Kisten eines gen Holland gleitenden Containerschiffs. Frühstück im Freien, der Strandkorb fängt die Wärme der Morgensonne ein. Jetzt lauschen wir, was die Krähen wohl kreischen, die wild um ihre Schlafbäume kreisen, und ob Bauer und Bürgermeister wohl einsehen, was den Baumhäuslern zu ihrem Glück noch fehlt: der direkte Zugang zum Deich, ganz ohne Stacheldraht. Heidi und Jürgen Reip
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